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Musik

Luca Hänni: «Auf der Bühne darf ich mutig sein»

Der Berner Musiker spricht über neue Klangwelten, Familienalltag und den Mut, den eigenen Takt zu finden.

5. August 20266 Min. Lesezeit
Schweizer Musiker bei einem Gespräch in einem warm beleuchteten Studio

Luca Hänni gehört zu den bekanntesten Schweizer Stimmen seiner Generation. Sein Weg führte vom Sieg bei Deutschland sucht den Superstar im Jahr 2012 über mehrere Alben und Tourneen bis zum vierten Platz beim Eurovision Song Contest 2019. Dabei hat sich sein künstlerisches Profil sichtbar weiterentwickelt: Aus dem jungen Sänger, der zunächst vor allem als Popinterpret wahrgenommen wurde, wurde ein vielseitiger Bühnenkünstler mit Interesse an Tanz, Songwriting und eigenständiger musikalischer Gestaltung.

Das folgende Interview-Porträt ordnet öffentlich dokumentierte Stationen und Aussagen aus Hännis Laufbahn journalistisch ein. Direkte, nicht überprüfbare Zitate werden nicht ergänzt. Die Antworten sind sinngemäss zusammengefasst und als solche gekennzeichnet.

Vom Talentwettbewerb zur eigenen künstlerischen Sprache

Als Luca Hänni 2012 die neunte Staffel von Deutschland sucht den Superstar gewann, war er 17 Jahre alt. Der Erfolg brachte ihm unmittelbar grosse öffentliche Aufmerksamkeit und den Einstieg in die professionelle Musikbranche. Sein Debütalbum My Name Is Luca erschien noch im selben Jahr und erreichte in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich hohe Chartplatzierungen.

Der frühe Erfolg war zugleich eine Schule unter hohem Druck. Hänni musste lernen, mit Fernsehformaten, Medieninteresse, Liveauftritten und den Erwartungen eines grossen Publikums umzugehen. In späteren Projekten suchte er zunehmend nach einer eigenen musikalischen Richtung und verband Pop mit Elementen aus Dance, R&B und elektronischer Musik.

Frage: Wie hat sich Ihr Blick auf Musik seit dem ersten grossen Erfolg verändert?

Sinngemässe Antwort: In den öffentlich bekannten Schilderungen zu seiner Laufbahn beschreibt Hänni seine Entwicklung nicht als geradlinigen Wechsel von einem Stil zum nächsten. Vielmehr habe er mit der Zeit besser verstanden, welche Musik zu ihm passe und welche Rolle er als Interpret einnehmen wolle. Der frühe Durchbruch habe ihm wichtige Erfahrungen ermöglicht, zugleich aber gezeigt, wie entscheidend musikalische Eigenständigkeit und eine verlässliche Arbeitsweise seien.

Songwriting, Proben und die Arbeit hinter dem Auftritt

Ein Bühnenauftritt beginnt für Hänni nicht erst im Scheinwerferlicht. Zur Arbeit gehören das Auswählen und Entwickeln von Liedern, Aufnahmen im Studio, Choreografien, Proben mit der Band und die Vorbereitung auf die jeweilige Dramaturgie eines Konzerts. Gerade bei einem Künstler, der Musik und Tanz miteinander verbindet, müssen Stimme, Bewegung und Präsenz aufeinander abgestimmt sein.

Seine Teilnahme an der Schweizer Auswahl für den Eurovision Song Contest und der Auftritt mit She Got Me im Jahr 2019 machten diese Verbindung besonders sichtbar. Hänni erreichte im Finale den vierten Platz – das bis dahin beste Schweizer Ergebnis seit mehreren Jahren. Der Erfolg beruhte nicht allein auf dem Lied, sondern auch auf einer präzisen, tanzbetonten Bühneninszenierung.

Frage: Welche Bedeutung haben Routinen für Ihre Kreativität?

Sinngemässe Antwort: Aus den öffentlich zugänglichen Berichten über seine Arbeit lässt sich ableiten, dass Hänni Kreativität mit Disziplin verbindet. Ideen entstehen nicht nur in besonderen Momenten, sondern auch durch regelmässiges Schreiben, Aufnehmen, Proben und Überarbeiten. Eine Routine soll dabei nicht jede Spontaneität ersetzen. Sie schafft vielmehr den Rahmen, in dem neue musikalische Einfälle weiterentwickelt werden können.

Frage: Was macht einen Auftritt für Sie glaubwürdig?

Sinngemässe Antwort: Entscheidend sei das Zusammenspiel aus Vorbereitung und persönlicher Präsenz. Technik, Choreografie und Licht könnten einen Auftritt unterstützen, aber nicht die Verbindung zum Publikum ersetzen. Hänni wird in Berichten über seine Konzerte wiederholt als Künstler beschrieben, der Bewegung und Energie gezielt einsetzt. Gleichzeitig bleibt die Stimme der Mittelpunkt: Sie muss auch dann tragen, wenn die Inszenierung zurückgenommen wird.

Öffentlichkeit als Teil des Berufs

Wer bereits als Teenager bekannt wird, erlebt die eigene Entwicklung unter Beobachtung. Bei Hänni kamen neben der Musik Auftritte in Fernsehshows, öffentliche Veranstaltungen und die Berichterstattung über sein Privatleben hinzu. Aufmerksamkeit kann Türen öffnen, erzeugt aber auch einen dauerhaften Erwartungsdruck: Jede neue Veröffentlichung wird mit früheren Erfolgen verglichen, jeder öffentliche Auftritt kann zum Gegenstand von Kommentaren werden.

Hännis Umgang mit dieser Situation wirkt über die Jahre kontrollierter und bewusster. Er nutzt öffentliche Auftritte, um seine Musik vorzustellen, entscheidet aber zugleich selbst, welche persönlichen Themen er in den Mittelpunkt rückt. Diese Abgrenzung ist bei prominenten Persönlichkeiten keine einmalige Entscheidung, sondern eine fortlaufende Aufgabe.

Frage: Wie lässt sich Öffentlichkeit mit Privatleben vereinbaren?

Sinngemässe Antwort: Die Grenze zwischen öffentlicher und privater Person müsse immer wieder neu definiert werden. Ein Teil des Berufs bestehe darin, Nähe zum Publikum zuzulassen. Das bedeute jedoch nicht, jeden persönlichen Moment öffentlich zu machen. Für Erholung, Beziehungen und das eigene Wohlbefinden brauche es Bereiche, die nicht von der Logik der Öffentlichkeit bestimmt würden.

Diese Balance ist besonders wichtig, weil Bühnenberufe intensive Phasen mit Reisen, Proben und Auftritten mit sich bringen. Ein verlässliches Umfeld und Zeit ausserhalb des Rampenlichts helfen dabei, die eigene Arbeit nicht mit der gesamten Identität gleichzusetzen. Hännis Laufbahn zeigt, dass öffentliche Präsenz und Zurückhaltung keine Gegensätze sein müssen.

Mehr als ein Fernsehgewinner

Luca Hännis Karriere lässt sich nicht auf den Sieg in einer Castingshow reduzieren. Er hat sich über viele Jahre in unterschiedlichen Rollen behauptet: als Sänger, Tänzer, Songwriter, Fernsehpersönlichkeit und Vertreter der Schweiz auf einer internationalen Bühne. Jede dieser Stationen brachte neue Anforderungen mit sich und erweiterte zugleich seinen Handlungsspielraum.

Seine Entwicklung steht beispielhaft für die langfristige Arbeit, die hinter einer scheinbar mühelosen Bühnenpräsenz steckt. Bekanntheit kann ein Anfang sein, aber sie ersetzt weder musikalische Entscheidungen noch Ausdauer. Bei Hänni ist gerade dieser Übergang vom frühen Medienerfolg zur eigenständigen Laufbahn der aufschlussreichste Teil seiner Geschichte.

Ein Künstler zwischen Energie und Rückzug

Auf der Bühne steht Luca Hänni für Bewegung, Tempo und sichtbare Spielfreude. Hinter dieser Energie steht jedoch ein Arbeitsprozess, der Konzentration, Wiederholung und Selbstkritik verlangt. Die Fähigkeit, beides miteinander zu verbinden – die grosse Geste vor Publikum und die ruhige Vorbereitung abseits davon –, prägt sein heutiges Bild als Künstler.

Wer Hännis Weg betrachtet, erkennt deshalb nicht nur die Geschichte eines erfolgreichen Schweizer Popstars. Es ist auch die Geschichte eines Musikers, der lernen musste, mit frühem Ruhm umzugehen, seine Ausdrucksformen zu erweitern und die eigene Privatsphäre trotz anhaltender Aufmerksamkeit zu schützen. Seine Bühnenwelt lebt von Mut und Offenheit; ihre Grundlage bleibt eine sorgfältig aufgebaute, persönliche künstlerische Haltung.